Stromerzeugung
02.10.2018

Windenergie: Senvion soll mit asiatischen Zulieferern aus der Krise

Fotos: Senvion
Offshore-Windkraftanlage von Senvion. Das börsennotierte Unternehmen rechnet mir höheren Margen im nächsten Jahr und sieht Wachstumschancen vor allem außerhalb Europas.

Der margenschwache Windkraftanlagenbauer Senvion aus Hamburg senkt weiter Kosten. Technologiechef Servet Sert setzt dabei auf effizientere Anlagen und günstigen Einkauf.

Das Windenergieunternehmen Senvion war eines der ersten, die mit Stellenstreichungen auf den Kostendruck in ihrer Industrie reagierten. Nun setzt der Hersteller aus Hamburg seinen Sparkurs fort, indem er Vorprodukte aus Asien bezieht. Bisher kaufte das Unternehmen vor allem in Europa ein. „Jetzt nehmen wir Zulieferer in Ländern mit den besten Kosten dazu, besonders in Asien“, sagt Senvions Technikchef (Chief Technical Officer) Servet Sert im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. „Damit erreichen wir Kostensenkungen im zweistelligen Prozentbereich.“ Diesen Effekt erwartet Senvion für die Jahre 2019 und 2020.

Anzeige

Anzeige

Umsatzeinbruch, Werksschließungen, Stellenabbau 2017 und ein Chef-Rücktritt im Frühjahr 2018. Das Unternehmen, das 2015 vom Finanzinvestor Centerbridge übernommenen wurde, durchlebt harte Zeiten. Immer wieder wird in der Branche über einen baldigen Verkauf spekuliert. Doch die Senvion-Manager sehen Wachstumschancen. Vor allem in Lateinamerika, Australien und Asien füllen sich die Oderbücher. Dort wird auch zunehmend produziert – das Modell 2.3 M 130 beispielsweise in Indien.

Konkurrenz für europäische Zulieferer

Abstriche bei der Qualität im Einkauf befürchtet Sert nicht: „Die Qualität der Produkte in Asien hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Die besten Gußkomponenten beispielsweise bekommen Sie heute in China.“ Eine Reihe selbstbewusster chinesischer Zulieferer präsentierte sich kürzlich auf der Wind Energy Hamburg. Auf der Branchenmesse ging die Sorge um, europäische Zulieferer könnten mit den stärker werdenden chinesischen Unternehmen bald nicht mehr mithalten.

Servet Sert ist Technologiechef (Chief Technical Officer) des Hamburger
Windkraftanlagenbauers Senvion. Foto: Senvion

Servet Sert rechnet durchaus mit Folgen für Unternehmen in den angestammten Herstellerländern: „Für unsere europäischen Zulieferer wird es schwieriger, die Produktion in Ländern mit hohen Kosten zu halten. Wir sehen, dass Zulieferer aus Europa und den USA ebenfalls nach Fernost gehen.“ Neben China interessiert Senvion sich für Zulieferer in Taiwan, Südkorea und Indien. Das Unternehmen mit Produktionsstätten in Bremerhaven und den Ländern Portugal, Polen und Indien bezieht bereits Komponenten von osteuropäischen Unternehmen.

Stellenstreichungen erregen zwar am meisten Aufsehen, sind in Serts Augen aber nur ein vergleichsweise kleiner Hebel, um Kosten zu senken. Dem Manager, der vor seinem Einstieg bei Senvion für die Wettbewerber GE und Vestas arbeitete, geht es darum, „mehr Strom zu geringeren Kosten aus den Maschinen zu bekommen.“ Diesen Effekt will Sert für seine Kunden mithilfe der neuen Einkaufsstrategie und mit größeren, ertragreicheren Turbinen erzielen, er sieht aber auch anderswo Einsparpotenzial: „Ein zentrales Element neben der Turbine sind die Transport- und Installationskosten der immer größeren und schwereren Maschinen.“

Leichtere Türme aus Stahl

Helfen sollen Modulbauweise und mehr Fertigung vor Ort – beispielweise der Türme von Windkraftanlagen. Abhängig von lokalen Rohstoffpreisen stellt Senvion Türme aus Stahl oder sogenannte Hybridtürme aus Beton und Stahl auf. Bei einer neuen Generation leichterer Stahlmodelle hat das Unternehmen die Kosten von Türmen nach eigenen Angaben um 25 Prozent gesenkt.

Leichtere Türme erfordern allerdings eine bessere Steuerung der Turbine. Hier sieht Sert Abstand zu seinen Wettbewerbern: „Wir konzentrieren uns auf die Steuerungssoftware für die Lastenkontrolle, dort haben wir einen Wettbewerbsvorteil.“ Für ebenso wichtig hält er es, die Rotorblätter weiter zu verbessern, denn deren Effizienz sei nach wie vor ein wichtiger Faktor: „Mit guten Rotoren holen Sie mehr aus der Maschine heraus“, sagt Sert.

Wie die meisten europäischen Windturbinenbauer sucht Senvion angesichts schrumpfender Margen auf dem Kontinent sein Glück in anderen Regionen der Welt, insbesondere in Chile, Argentinien, Indien und Australien. Von den Vorbestellungen aus diesen Ländern erwartet Senvion ein Umsatzwachstum um 20 bis 40 Prozent im nächsten Jahr. Auch beim Gewinn soll es wieder aufwärts gehen. „Für das kommende Jahr rechnen wir mit steigenden Margen“, sagt Sert. „Und ich glaube, wir werden dort schneller hinkommen als viele andere Hersteller.“

 

Lesen Sie auch:

Vestas streicht hunderte Stellen in Europa

IEA-Chef Birol: Wind wird größte Stromquelle Europas

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Windenergie | Senvion | China
Ressorts:
Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy
Winter 2018/2019

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab sofort bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de

Das E-Paper ist erhältlich bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen