Erneuerbare Energien
29.01.2019

Windenergie-Zubau an Land bricht ein

Foto: Windstrom Vindvet (Aufmacher: Enercon GmbH)
Die deutsche Windkraft-Branche schaut derzeit wenig optimistisch in die Zukunft.

Im Jahr 2018 wurden deutlich weniger neue Onshore-Windräder aufgestellt als erwartet. Lobbyverbände beklagen Bürokratie und Widerstand in der Bevölkerung.

Nicht nur die deutsche Offshore-Windbranche beklagt den geringen Zubau ihrer Anlagen. Auch die Onshore-Branche meldet niedrige Zahlen. Nach Angaben des Bundesverband Windenergie (BWE) wurden im Jahr 2018 an Land lediglich 743 Anlagen mit einer Leistung von 2.402 Megawatt neu installiert – ein Rückgang von 55 Prozent im Vergleich zu 2017. Der Neubau sei noch hinter das Niveau von 2013 gefallen, obwohl die Nachfrage nach erneuerbarem Strom perspektivisch deutlich zunehmen werde, schreibt der Lobbyverband. Er liege damit deutlich unter der vom BWE und dem Maschinen- und Anlagenbau-Fachverband VDMA Power Systems zur Jahresmitte 2018 erwarteten Zahl von 3.300 Megawatt.  

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Grund sei der hohe Anteil der Zuschläge für Projekte ohne Genehmigung, die die Ausschreibungen in 2017 dominiert hätten und bislang nicht realisiert wurden. Darüber hinaus konnten über 900 Megawatt an Übergangsanlagen nicht fristgerecht ans Netz gehen. Gegen fast jede Genehmigung werde inzwischen geklagt, was die Umsetzung verzögere. Anwohner wehren sich häufig gegen Windkraftanlagen in ihrer Umgebung, da sie unter anderem Lärm und Störungen im Landschaftsbild befürchten. Aber auch die Änderung in der Förderung führe zu dem Rückgang im Zubau. Statt garantierter Strom- und Abnahmepreise werden Windparks inzwischen ausgeschrieben.

Nur 2000 MW für 2019 erwartet

„Besonders wenige Genehmigungen erfolgten in Bayern, Sachsen-Anhalt, dem Saarland und Schleswig-Holstein. Um den steigenden Bedarf der modernen Energiewirtschaft zu erfüllen, müssen alle Bundesländer am Zubau teilnehmen“, sagt BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm. Der Genehmigungsstau in den Ländern müsse abgebaut werden. Deutschland bleibe zwar der größte Markt für Windenergie an Land. Aber das Stop-and-Go im Ausbau müsse beendet werden, sagt Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems. „Es ist selbsterklärend, dass das 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung mit einem Fortführen des aktuell absehbaren jährlichen Zubaus bis zum Jahr 2030 nicht erreicht werden kann.“ Bis dahin soll der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch eigentlich von derzeit rund 38 auf 65 Prozent erhöht werden.

Für das Jahr 2019 erwarten die Verbände nur einen Zubau von knapp 2.000 Megawatt. Die im Energiesammelgesetz festgelegten Sonderausschreibungen seien zwar enorm wichtig und gäben Zuversicht auf eine Erholung ab 2021 – im internationalen Vergleich verliere der deutsche Markt jedoch an Bedeutung.

Asien ist Markt der Zukunft

Die Verbände fordern daher ein verlässliches mittel- und langfristiges Zeit- und Mengengerüst. Die Bestimmung, nur mit genehmigten Projekten an den Ausschreibungen teilnehmen zu können, solle dauerhaft festgeschrieben werden. Zudem sollten die Genehmigungsverfahren erleichtert und beschleunigt werden.

Gemäß der Prognose des Global Wind Energy Council wird der weltweit stärksten Zubau von Windenergieanlagen in den Jahren 2019 bis 2022 in Asien (118 Gigawatt) erwartet, gefolgt von Europa (62 Gigawatt) und Nordamerika (44 Gigawatt).

Lesen Sie auch: Deutsche Offshore-Windindustrie fürchtet den Abstieg

Und: Russland baut lokale Windindustrie auf

Carsten Kloth
Keywords:
Windenergie | Onshore
Ressorts:
Markets

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