Im Südosten Vorpommerns schaltet der Windkraftbetreiber Juwi zum Schutz eines Rotmilan-Pärchens und für dessen Nachwuchs seine Anlagen zeitweise ab. Das sieht eine Vereinbarung vor, die erstmals zwischen der Staatlichen Umweltverwaltung (StALU) und dem Unternehmen geschlossen wurde, wie Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Montag mitteilte. Das Greifvogelpärchen habe sich erst nach der Genehmigung  der vier Windräder bei Krackow (Vorpommern-Greifswald) angesiedelt, wie es hieß. Der Mini-Windpark ist derzeit im Bau.

"Wir brauchen die erneuerbaren Energien, wir brauchen aber auch ein Umfeld, in dem sich geschützte Arten halten und entwickeln können", erklärte Backhaus dazu. Hier sei ein Kompromiss gefunden worden, der anderen ein Beispiel geben könne. Abgeschaltet werden soll tagsüber zur Brutzeit des Rotmilans im Frühling, meist ab Ende März, und während der Aufzucht der Jungtiere. Vereinbart seien weitere Untersuchungen, um das artenschutzrechtliche Risiko des Anlagenbetriebes zu minimieren. In Mecklenburg-Vorpommern wird derzeit der Bestand des streng geschützten Tieres von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V. neu erfasst.

Juwi hatte im Oktober 2018 in einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur den Zuschlag für den Bau der vier Anlagen in Krackow erhalten. Zuvor hatte das StALU im September 2018 die Genehmigung zu Bau und Betrieb der Anlagen erteilt.

Im Frühjahr 2020 war dann laut Medienberichten in der Nähe der Windanlagen ein neuer Rotmilan-Brutplatz entdeckt worden. Klagen der Gemeinde, den Bau aus Gründen des Naturschutzes zu stoppen, waren aber nicht von Erfolg gekrönt. Parallel zum Bau hatte der Betreiber angekündigt, die Anwesenheit der Rotmilane durch naturschutzfachliche Maßnahmen zu berücksichtigen. Die Gespräche mit dem StALU mündeten offenbar in der heutigen Vereinbarung.

In Deutschland gibt es nach Schätzung von Fachleuten etwa 15 000 Brutpaare der Vögel, die auch Gabelweihe oder Roter Milan genannt werden. Die Hauptvorkommen liegen in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, wo zuletzt 1500 Brutpaare gezählt worden waren. Rotmilane sind Zugvögel, die im Winter nach Südeuropa und Nordafrika ziehen und zum Teil schon im Februar zurückkommen.

jst/dpa

Siemens entlässt sein Energiegeschäft in die Eigenständigkeit.
Inbesondere wenn der Rotmilan seine Jungen aufzieht, sollen die Windanlagen außer Betrieb sein (Copyright: Siemens)