Studien
17.05.2020

Windkraft auf See kommt in den Rückbau

Foto: Istock
Wegen des Wassers und der stärkeren Winde kommen Windanlagen auf See eher in die Jahre als an Land.

Auch bei der Windkraft auf See müssen künftig mehr und mehr Anlagen rückgebaut werden – kein einfaches Unterfangen, das mehr kosten und länger als geplant dauern wird, wie Untersuchungen zeigen.

Der Rückbau von Windkraftanlagen in der Nordsee wird in den kommenden Jahren erheblich zunehmen und teurer als geplant. Das ist das Ergebnis von Studien des Hamburgischen Wirtschaftsforschungsinstituts HWWI und anderer Institutionen. Demnach sind noch in diesem Jahr 22 Windräder aus der Nordsee zu entfernen, wie das HWWI mitteilte. 2023 werden bereits 123 sowie 2030 mehr als 1.000 Windturbinen das Ende ihrer Lebensdauer erreichen.

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Wegen der schwierigen Witterung auf See und der aufwendigen Wartung wird die Laufzeit von Offshore-Windrädern auf 20 bis 25 Jahren veranschlagt. Das sind fünf bis zehn Jahre weniger als bei Windanlagen an Land. Auch letztere müssen nach 20 Jahren verschiedene Nachweise für einen sicheren Betrieb beibringen.

Ob auf See oder an Land - erreichen die Anlagen das  Ende der Laufzeit, müssen sie zurückgebaut werden. Angestrebt von der Branche wird ein Repowering, für das zwar dieselben Standorte, aber meist nicht die alten Fundamente genutzt werden können.

Deutsche Offshore-Windkraftwerke sind von Rückbau zunächst nicht betroffen. Die ältesten Anlagen sind erst gut zehn Jahre alt. In der Nordsee laufen aber noch ältere Windkraftwerke, etwa in den Wirtschaftsgewässern von Skandinavien, den Niederlanden und von Großbritannien.

Teilweise keine Baupläne mehr vorhanden

Erste Erfahrungen mit dem Rückbau von Windkraft auf See konnten Unternehmen in den vergangenen Jahren bei etwa 20 Einzelanlagen und kleinen Windparks in mehreren Ländern sammeln, vornehmlich in Schweden und Dänemark. Ein standardisiertes Verfahren gibt es jedoch noch nicht. Der Rückbau soll möglichst umweltfreundlich sein und wenig CO2 freisetzen.

"Die bisherigen Rückbauprojekte haben einen Mangel an Dokumentation offengelegt", sagt HWWI-Forscher Mirko Kruse. "So waren beispielsweise die verwendeten Materialien der Anlagen nicht im Einzelnen aufgeführt, und auch die Menge des verwendeten Betons im Fundament lag deutlich höher als ursprünglich angenommen." Nicht alle Firmen, die als erste Windkraft im Meer errichteten, existieren noch - und damit fehlen auch Baudokumente.

Unterschiedlich in den einzelnen Nordsee-Anrainerstaaten geregelt sind laut der Studien auch rechtliche Rahmenbedingungen, die sich zudem mitunter widersprechen würden. Ob die Betonfundamente der Anlagen an ihrem Platz bleiben dürfen und nur die Aufbauten entfernt werden, oder was mit den Stromkabeln auf und im Meeresgrund passiert, ist bislang nicht einheitlich geregelt.

Die Windkraftbranche durchläuft damit die gleiche Entwicklung wie zuvor die Öl- und Gasförderung, die nach der Erschöpfung der Felder Hunderte Förderplattformen in der Nordsee zurückbauen muss. Dafür gibt es viele spezialisierte Firmen; es geht um ein Milliardengeschäft.

Häfen hoffen auf neue Geschäfte

Ähnlich könnte es in der Windindustrie kommen. Spätestens wenn die Zahl der in die Jahre gekommenen Anlagen anzieht, wird aus dem Abriss auch ein gewinnbringendes Geschäft. "Wir benötigen gute Rückbaukonzepte, um ökonomisch und ökologisch effizient zu agieren und somit auch nachhaltig zu arbeiten", sagt Silke Eckardt, Professorin für Zukunftsfähige Energieversorgung und Ressourceneffizienz an der Hochschule Bremen.

Die Kosten für den Rückbau einer Windkraftanlage liegen zwischen zwei und zehn Prozent der Investitionskosten. Die Betreiber haben dafür gesetzlich vorgeschriebene Rücklagen vorzuhalten.

Auch die Häfen versprechen sich neue Chancen. "Insbesondere Norddeutschland kann mit seinen Seehäfen wichtige Anlaufstellen für zukünftige Aktivitäten in diesem Bereich schaffen", sagt Isabel Sünner vom HWWI. Neben infrastrukturellen Engpässen fehle es allerdings absehbar an qualifiziertem Personal, um den Rückbauprozess zu begleiten. "Wenn sich jedoch die Häfen und nachgelagerten Industrien jetzt zeitnah auf die kommenden Herausforderungen einstellen, ergibt sich ein neues Betätigungsfeld für die norddeutschen Standorte."

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jst/dpa
Keywords:
Offshore-Windkraft | Rückbau
Ressorts:
Markets
 

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