Windenergie
12.09.2019

Windkraft-Flaute: Nordländer fordern Tempo vom Bund

Foto: iStock
Stillstand für die Onshore-Branche: Derzeit werden kaum neue Windräder an Land gebaut.

Die norddeutschen Länder schlagen Alarm: Der weitgehend eingeschlafene Ausbau der Windenergie an Land bedroht Branche und Arbeitsplätze, wie das Beispiel des Anlagenbauers Senvion zeigt. 

Die norddeutschen Energieminister und -senatoren schlagen angesichts der anhaltenden Flaute beim Ausbau der Windkraftnutzung Alarm: In einer gemeinsamen Erklärung haben sie die Bundesregierung zu raschen und entschiedenen Schritten aufgefordert. Vor allem müssten Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen schneller und leichter werden.

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Außerdem verlangen die Nord-Energieminister die Festlegung eines Zeit- und Mengengerüstes für den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Dabei müsse der Ausstieg aus der Braun- und Steinkohle berücksichtigt werden. "Nur mit dem Blick vom Ziel der Energiewende her lassen sich Planungssicherheit für die Windkraftbranche, eine belastbare Netzplanung sowie Akzeptanz für die Bürgerinnen und Bürger erreichen", heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Papier der Energieminister und -senatoren von Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

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Sie verlangen eine zeitnahe Fortsetzung des Windgipfels unter Einbindung der Länder, der Vertreter der betroffenen Branchen, der Umweltverbände sowie von Beschäftigtenvertretern. Der Windgipfel vergangene Woche sei nur ein Anfang gewesen. Bei dieser "ersten Orientierungsrunde" und der bloßen Benennung der Probleme dürfe es nicht bleiben. "Ohne einen zügigen Ausbau der Windenergie werden wir unsere Klimaschutzziele nicht erreichen", warnte Mecklenburg-Vorpommerns Energieminister Christian Pegel (SPD).

Zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr

Die Windbranche habe gerade für Mecklenburg-Vorpommern eine große Bedeutung erlangt. Sie habe sich zu einem florierenden Wirtschaftszweig entwickelt und damit Einbrüche Anfang der 1990er Jahre zum Beispiel im Schiffbau kompensiert. "Es ist nicht zuletzt der Windbranche zu verdanken, dass unsere Häfen wieder boomen", sagte er.

In MV sei eine vollständige Wertschöpfungskette von der Konzeption und Projektierung von Windanlagen über die Herstellung und den weltweiten Vertrieb bis hin zu Errichtung, Betrieb und Wartung entstanden. Damit seien Zehntausende hoch qualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze im Land verbunden. Dies sei in Gefahr.

Bei einem Treffen aller Landesenergieminister und -senatoren Anfang Dezember wollen sich die norddeutschen Amtsträger mit denen der übrigen Bundesländer auf konkrete Maßnahmen verständigen, wie es weiter hieß. Sie sollen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit der Bitte um Umsetzung vorgelegt werden.

Offshore-Ausbau liegt im Plan

Im ersten Halbjahr 2019 kam der Ausbau der Windkraft an Land in der Bundesrepublik fast vollständig zum Erliegen - nur 86 Anlagen wurden errichtet. Das entspricht einem Brutto-Zubau von 287 Megawatt, so wenig wie noch nie seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000. Als Hauptgründe gelten fehlende Flächen und Klagen von Gegnern.

Bei der Windkraft auf See liegt der Ausbau hingegen im Plan. Im ersten Halbjahr gingen 42 Windkraftwerke mit einer Leistung von 252 Megawatt in der Nordsee neu ans Netz, in der Ostsee keine. Insgesamt sind mehr als 1300 Anlagen mit einer Leistung von 6,7 Gigawatt in Betrieb. Damit ist das aktuelle Ausbauziel von 6,5 Gigawatt erreicht. Die Nordländer forderten bereits eine Ende der Deckelung der Ausbauziele auf See.

Senvion-Insolvenzplan genehmigt

Die Gläubigerversammlung beim insolventen Windanlagenbauer Senvion ist unterdessen zu Ende gegangen. Die Gläubiger und das Amtsgericht billigten den Insolvenzplan des Unternehmens und verschafften damit dem Sachwalter zusätzlichen Handlungsspielraum, verlautete am Donnerstag aus Unternehmenskreisen. Noch nicht entschieden sei jedoch über den Einstieg eines Investors. Die Gespräche laufen noch, sollen aber nun recht bald zu einem Abschluss gebracht werden. Ein offizielle Mitteilung von Senvion liegt bislang nicht vor.

Die Senvion-Gläubiger waren am Dienstag zu ihren Beratungen zusammengekommen. Nach der Gläubigerversammlung sollte klar werden, wie viele der Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen. Senvion beschäftigt noch 1400 bis 1500 Mitarbeiter in Deutschland; mehrere Hundert Beschäftigte haben den Konzern verlassen.

Senvion hatte im April Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und sich auf die Suche nach Investoren begeben. Seit zwei Wochen ist klar, dass Senvion aufgeteilt wird und Teile seines Geschäftsbetriebs stilllegen muss. Die Turbinenfertigung in Bremerhaven mit 200 Mitarbeitern steht zum Jahresende vor der Schließung. Bereits in diesem Monat werden die ersten Kündigungen ausgesprochen. Die Investoren interessieren sich vor allem für den Service-Bereich und einzelne Ländergesellschaften.

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ck/dpa
Keywords:
Onshore | Windkraft | Windenergie
Ressorts:
Markets

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