Windkraftanlagen werden auch künftig immer größer, laufen länger und können so mehr Strom erzeugen. Auf diese Weise ließe sich die "Ernte" von Windstrom in Deutschland allein auf den bisher schon genutzten Flächen bis 2030 verdoppeln. Dazu stellten der Erneuerbaren-Branchenverband Nordrhein-Westfalen (LEE) sowie der Bundesverband Windenergie (BWE) am Montag eine von der Deutschen Windguard erstellte Studie "Volllaststunden von Windenergieanlagen an Land" vor.

Die Studie geht von einem Szenario aus, bei dem auf bereits heute ausgewiesenen Flächen bis 2030 zahlreiche ältere Anlagen durch moderne ersetzt werden (Repowering). Zugleich blieben auch viele Altanlagen in Betrieb - zusammen mit etwa 12.500 neuen Anlagen könnten 2020 bis zu 212 TWh erzeugt werden.

2019 lag die Erzeugung bei Wind an Land bei 99,6 TWh. Dafür werden derzeit nach den Angaben 0,9 Prozent des Landes genutzt. Werde die Gesamtfläche für Windräder auf 2 Prozent des Bundesgebiets verdoppelt, ließe sich die Erzeugung sogar auf 500 TWh erhöhen, prognostiziert die Studie. Nehme man den  Strom aus Windrädern auf See hinzu, könnte rechnerisch nahezu der aktuelle deutsche Strombedarf von 530 TWh mit Windkraft gedeckt werden.

Neue Windräder wuchsen dabei in den letzten Jahren stetig in die Höhe. Hatten die im Jahr 2000 in Betrieb genommenen Anlagen eine durchschnittliche Höhe von rund 100 Metern, so gebe es inzwischen Anlagen vpn über 200 Metern. Im Süden stehen dabei deutlich höhere Anlagen wegen der dort geringeren Windgeschwindigkeiten.

Moderne Windkraftanlagen erzeugten heute rund zehnmal so viel Strom als die, die zur Jahrtausendwende gebaut worden sind, erklärte LEE-Geschäftsführer Christian Mildenberger. Aktuell leisteten die größten Anlagen etwa 5 Megawatt, erwartet wird in drei bis fünf Jahren eine neue Anlagenklasse mit über sieben Megawatt. Diese Entwicklung müsse sich "sich auch in Potenzialstudien von Bund und Ländern besser widerspiegeln", so Mildenberger.

Auch BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm plädiert für einen neuen Blick auf Bestandsflächen und Repowering. Heute sei in Deutschland nicht einmal ein Prozent der Fläche für Windenergie im Binnenland ausgewiesen - doch schon 2030 könnten damit knapp 40 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden. Windenergie sei für eine CO2-neutrale Zukunft unverzichtbar. Dafür brauche es eine kluge Flächenbereitstellung in allen Bundesländern.

jst/dpa

Wegen der geringeren Windgeschwindigkeiten wachsen die Anlagen im Süden schneller in die Höhe als im Norden. (Copyright: Istock)