Power-to-heat
13.10.2016

Windstrom für den Wärmemarkt

Foto: istockphotos.com/artJazz
Die Schaltzeiten der Stromheizungen sollen der Stromproduktion angepasst werden.

Überschüssiger Windstrom soll in der Region Ostwestfalen-Lippe künftig im Wärmemarkt geparkt werden. Das ist nicht nur gut für das Klima, sondern soll sich auch für die Stromkunden rechnen.

Forscher an der Universität Paderborn wollen ein Kernproblem des steigenden Grünstromanteils lösen: Statt Windstromanlagen bei heftigen Böen abzuregeln, um das Netz nicht zu überlasten, soll ihr Strom künftig im Wärmemarkt gespeichert werden. Gemeinsam mit dem Verteilnetzbetreiber WeserNetz, dem Stromlieferanten WestfalenWind Strom und dem Projektkoordinator Energie Impuls OWL haben Forscher der Universität Paderborn soeben ein entsprechendes Projekt auf den Weg gebracht.

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In Paderborn wird laufend mehr Windstrom produziert als nötig. Das gefährdet die stabile Stromversorgung, eine Netzüberlastung droht. Um das zu vermeiden, werden die Windkraftanlagen in der Regel für diese Zeit vom Netz genommen. Eine Vergütung für den Windstrom bekommen die Windmüller trotzdem. Die ist über die Erneuerbaren-Energien-Umlage garantiert.

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Statt den überschüssigen Strom einfach zu verschenken, will das Projektteam an der Universität Paderborn diesen für Stromheizungen und Klimaanlagen in privaten Häusern nutzen und dort für einige Stunden speichern.

 

Draht zur Strombörse

„In unserem Projekt haben wir ein digitales Verfahren entwickelt, durch das die Heizung direkt von der Strombörse gesteuert wird“, sagt  Bernd Tiemann von Energie Impuls OWL, der das Projekt leitet. Die Grundidee dahinter ist simpel: Der Stromlieferant soll möglichst dann Strom hinzukaufen, wenn die Preise an der Strombörse niedrig sind. Bei Flauten und in Zeiten hoher Preise können die Hauseigentümer indes mit der in ihren Stromheizungen und Gebäuden gespeicherter Wärme heizen, die Schaltzeiten der Anlagen werden also an die Stromproduktion angepasst. „Diese Mischkalkulation soll an die Endkunden weiter gegeben werden“, sagt Tiemann.

Wie viel das am Monatsende auf der Stromrechnung ausmacht, wollen die Forscher im Rahmen des Projekts genau untersuchen, „aber es wird sich im Geldbeutel bemerkbar machen“, ist Projektleiter Tiemann überzeugt. Derzeit rechnet sich das Heizen mit Strom nur bei Wärmepumpen. Denn die weisen einen sehr hohen Wirkungsgrad auf und produzieren aus einer Kilowattstunde Strom das Vierfache an Wärmeenergie. Bundesweit sind davon allerdings erst 800.000 installiert, die Anlagen kosten in der Regel mehr als das Doppelte einer Öl- oder Gasheizung. „Mit dem Verfahren, das Power to Heat OWL erprobt, wird der wirtschaftliche Vorteil wachsen“, ist Tiemann überzeugt.

 

Kaum Zusatzkosten

Grundsätzlich ist die Idee eines intelligenten Einspeisemanagements nicht neu. Das Besondere in Paderborn: „Es müssen keine zusätzlichen Geräte installiert werden, nicht einmal ein Zwei-Tarif-Zähler oder keine Smart Meter “, erklärt Tiemann. „Wir arbeiten mit der Hardware, die schon da ist.“ Wie sich dieses Verfahren der Flexibilisierung auf die Elektroautos in der Garage übertragen lässt, wird in einem weiteren Projekt untersucht.

Ende 2017 will das Projektteam erste Zwischenergebnisse präsentieren und einen Ausblick darauf geben, wie viel Prozent des überschüssigen Ökostroms durch das neue Verfahren tatsächlich genutzt werden kann.  

Jana Kugoth
Keywords:
Windmarkt | Wärmemarkt | Strombörse | Power-to-Heat | Wärmepumpe | Stromheizung
Ressorts:
Technology

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