Kolumne Ferdinand Dudenhöffer
18.11.2015

Wir müssen amerikanischer werden 

foto: flickr/ Bruno Kussler Marques, Illu: Valentin Kaden

Was der VW-Skandal über Gesetze, Subventionen und Unternehmenskultur verrät.

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Der Betrug war fast perfekt, aber eben nur fast. Eine Software für VW-Dieselmotoren des Typs EA 189 wurde weltweit in bis zu elf Millionen Fahrzeuge eingebaut. Sie steuert im Testzyklus den Motor so, dass er die strengen US-Umweltanforderungen erfüllt. Im Normalbetrieb liegen Stickoxidbelastungen viel höher, sind aber nur schwer nachweisbar.
Die Sache flog auf und hat VW in eine existenzbedrohende Schieflage gebracht. Dabei wirkt die Motivation für den Betrug aus heutiger Sicht bizarr. VW wollte Kosten sparen, die zwischen 200 und 300 Euro pro Fahrzeug liegen dürften. Statt die Abgase des Dieselmotors mit SCR-Katalysatoren durch Zugabe von Harnstoff unter die gesetzlichen Grenzwerte zu drücken, haben VW, Audi, Seat und Škoda falsche Tatsachen vorgespiegelt.
Für die Straßenverkehrs-Zulassung brauchen Fabrik-Fahrzeuge eine technische Freigabe, die bei jedem Autobauer in der zentralen Entwicklung erfolgt – bei VW in Wolfsburg. Dort diskutiert der Konzernvorstand über jedes neue Automodell und seine Spezifikationen. Da der Motor EA 189 millionenfach verbaut ist, hat der gesamte Konzernvorstand ganz sicher über den Einsatz und das Abgasreinigungssystem des Motors gesprochen. Neben dem Entwicklungsvorstand muss sich auch Finanzvorstand Hans-Dieter Pötsch mit dem Thema befasst haben. Ausgerechnet Pötsch soll jetzt neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden. Der Bock wird also zum Gärtner gemacht.

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In der größten Krise seiner Geschichte schert sich der VW-Konzern nicht um den „Deutschen Corporate Governance Kodex“, der festlegt, dass Vorstände nach dem Ende ihrer Bestellung zwei Jahre warten müssen, bevor sie Aufsichtsrat werden dürfen.  Die VW-Kultur ist inzestuös; sie wird durch das archaisch anmutende VW-Gesetz gefördert, das dem Land Niedersachsen als zweitgrößtem VW-Aktionär (18,2 Prozent) durch eine goldene Aktie überproportional viel Macht sichert – etwa, indem es eine bestimmte Zahl von Aufsichtsräten außerhalb des regulären Wahlverfahrens ernennen darf.  

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Ferdinand Dudenhöffer | Kolumne | VW | USA | Diesel | Abgas-Affäre | Gesetze
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Markets

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