bizz energy: Steht die Wasserstoffmobilität jetzt vor dem Durchbruch, Herr Prof. Weber?

Die Marktreife des Brennstoffzellenantriebs und dessen Potenzial stehen heute außer Frage. Der Markterfolg ist jedoch neben vielen technologischen Fragestellungen unmittelbar auch mit der Existenz einer bedarfsgerechten Infrastruktur verbunden. Insbesondere der konkrete Infrastruktur-Aufbauplan unseres H2 Mobility Joint Ventures stimmt uns dahingehend jetzt sehr zuversichtlich. Parallel dazu bereiten wir uns aktuell konsequent auf die Serienfertigung unseres brennstoffzellenbetriebenen Geländewagens auf Basis des GLC vor.

Setzt Daimler auf die Brennstoffzelle oder auf die Batterie?

Wir verfolgen nicht nur die eine Antriebsform. Um auch in Zukunft als Unternehmen global erfolgreich zu sein, setzen wir auf eine dreispurige Antriebsroadmap bestehend aus hocheffizienten Verbrennungsmotoren, maßgeschneiderten Hybriden sowie emissionsfreien Elektrofahrzeugen mit Batterie- oder Brennstoffzelle. Klar ist: die Batterietechnologie verspricht zunehmend auch größere Reichweiten bei immer niedrigeren Kosten. Das ist auch der Grund, warum die Daimler AG rund 500 Millionen Euro in eine zweite Batteriefabrik am Standort in Kamenz investiert. Die Brennstoffzelle wird aber auch in Zukunft mindestens einen klaren Vorteil haben: Hohe Reichweiten bei gleichzeitig kurzen Betankungszeiten von nur drei Minuten. Die Wasserstofftechnologie eignet sich zudem auch für den Busbereich, hier gibt es speziell von Städten große Nachfrage.

Fürchten Sie die Konkurrenz aus dem Silicon Valley wie Tesla und Co.?

Für uns sind die Aktivitäten aus Richtung Silicon Valley eher eine Bestätigung: Unsere Branche ist eine attraktive Wachstums­branche. Und dabei ist uns jeder neue Wettbewerber willkommen. Mit unserem aktuellen Fahrzeug-Portfolio und intensivem Engagement in Forschung und Entwicklung fühlen wir uns sehr gut auch für den Markt der Zukunft vorbereitet.

Ende des Jahres geben Sie ihr Amt als Entwicklungschef bei Daimler ab. Was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Von einem Abschied kann und soll heute noch keine Rede sein, das ist noch lange hin (lacht).  Wir stehen vor technologisch fundamentalen Veränderungen in der Automobilindustrie. Ich glaube, die beste Zeit des Automobils steht noch bevor und das motiviert mich persönlich und mein globales Forschungs- und Entwicklungsteam jeden Tag aufs Neue.

 

Thomas Weber (Foto: Daimler AG)