_BIZZ energy today: In Peking gilt seit Beginn der Woche erstmals die höchste Smog-Alarmstufe. Welches Signal sendet das nach Paris?

_Achim Steiner: Das sollte uns zeigen, dass China die Luftverschmutzung sehr ernst nimmt. Wir sollten dabei nicht zu sehr mit dem Zeigefinger auf die Regierung in Peking zeigen. Alle Industrienationen haben  während der industriellen Revolution diese Phase durchlaufen, beispielsweise das Ruhrgebiet oder das industrielle Zentrum in Mittel- und Nordengland. China versucht im Augenblick, das wahrscheinlich weltweit ambitionierteste und dramatischste Klimaschutzprogramm umzusetzen. Damit ist der Staat einer der aktivsten weltweit. Denn die Chinesen wollen die schmutzigen Industrien nicht weiter als Hypothek mit in die Zukunft nehmen. China hat in den letzten ein bis zwei Jahren eine Reihe von bedeutenden Akzenten in den internationalen Klimaverhandlungen gesetzt. Zusätzlich hat die Regierung in Peking finanzielle Hilfen für die Entwicklungsländer beim dortigen Übergang zu neuen Technologien zugesagt. Denn aus der nationalen Perspektive ist der Preis für China einfach zu hoch, um die gegenwärtige industrielle und volkswirtschaftliche Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Deshalb wird China – für viele noch schwer vorstellbar – in den nächsten 10 bis 20 Jahren der Vorreiter beim Übergang zu einer grünen Weltwirtschaft werden.

 

_Dennoch setzt China weiter auf Kernkraft.

_Ja, aber das macht Frankreich auch. Trotzdem glaube ich, dass die Kernkraft in der Weltwirtschaft nicht in der Größenordnung eine Rolle spielen wird, wie es die Erneuerbaren oder auch andere Energiequellen tun werden, so wie es vielleicht noch vor 30 oder 40 Jahren angepeilt wurde. 

Achim Steiner. (foto: UNEP)