Mobilität
03.01.2018

Wissenschaftler verwandeln Bier in Treibstoff

Foto: iStock
Im Labor lässt sich mit Bier allerhand anstellen.

Fahren wir demnächst mit Bier? Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, um den beliebten Gerstensaft in eine erneuerbare Quelle von Motorkraftstoff zu verwandeln.

Wissenschaftler der Universität von Bristol haben einen Weg gefunden, um nachhaltiges Benzin aus Bier herzustellen. Ihnen gelang es, Ethanol – einen Wirkstoff, der in Bieren verbreitet ist – durch petrochemische Prozesse in Butanol umzuwandeln, ähnlich wie bei der Raffination von Benzin.

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Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler um Professor Duncan F. Wass im „Catalysis Science & Technology“-Journal. „Einer der großen Vorteile der Verwendung von Butanol als Kraftstoff ist, dass es in aktuellen Benzinautos ohne oder nur mit geringen Modifikationen verwendet werden kann“, sagt der Forscher.

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Allgemein anerkannt ist, dass dringend nachhaltige Alternativen zu fossilen Kraftstoffen wie Diesel oder Benzin gesucht werden. Eine der bekanntesten Alternativen zu Benzin ist Bioethanol, das teilweise dem Benzin beigemischt wird. Ethanol ist jedoch kein idealer Ersatz für Benzin ist, da es eine geringere Energiedichte hat und für Motoren schädlich sein kann.

Durchbruch in fünf Jahren?

Eine viel bessere Brennstoffalternative ist Butanol, das aber schwer aus nachhaltigen Quellen gewonnen werden kann. Die Wissenschaftler zeigten nun, dass es möglich ist, leicht verfügbares Ethanol aus alkoholischen Getränken unter Laborbedingungen in Butanol umzuwandeln, wobei ein Katalysator verwendet wird, um die chemische Reaktion zu beschleunigen. Gegenwärtig ist das Verfahren in der Lage, einige hundert Gramm Butanol aus Bier zu produzieren. Dies reicht noch nicht aus, um den Tank eines Autos zu befüllen. Die Wissenschaftler prognostizieren jedoch, dass der Kraftstoff in nicht mehr als fünf Jahren im industriellen Maßstab eingesetzt werden kann.

Es gehe jedoch nicht darum, dass Bier als Nahrungsmittel die Hauptquelle für Transportkraftstoff werde, sondern vielmehr um wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Butanol-Technologie, sagt Wass. „Wenn unsere Technologie mit alkoholischen Getränken arbeitet, dann zeigt sich, dass sie in der Lage ist, Butanol als Benzinersatz im industriellen Maßstab zu produzieren“.

Mit Bier werden wir also auch in Zukunft unsere Autos nicht betanken, auch wenn Alkohol im Tank tendenziell besser aufgehoben ist als im Fahrer. Als Grundlage für Laborversuche eignen sich die Überreste der Weihnachts- und Silvesterfeiern sehr wohl, wie die Wissenschaftler aus Bristol eindrucksvoll zeigen.

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Carsten Kloth
Keywords:
Mobilität | Treibstoff
Ressorts:
Technology

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