BIZZ Exklusiv
04.03.2015

Wissmann: „Ein wichtiger Baustein“

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Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA)

Haben Biokraftstoffe noch Zukunft? So lautet die aktuelle Frage des Monats von BIZZ energy today. Hochkarätige Experten aus Unternehmen, Umweltorganisationen und Wirtschaftsverbänden haben geantwortet. Wir veröffentlichen täglich einen Beitrag. Heute: VDA-Präsident Matthias Wissmann.

 

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Die deutsche Automobilindustrie plädiert für eine Weiterentwicklung der Biokraftstoffe. Durch Biodiesel und Bioethanol werden deutlich weniger Treibhausgase ausgestoßen als durch fossile Kraftstoffe. Die Beimischung von Biokraftstoffen zum herkömmlichen Kraftstoff führt also zur sofortigen Minderung des CO2-Ausstoßes im gesamten Fahrzeugbestand. Biokraftstoffe sind daher neben der Optimierung des klassischen Verbrennungsmotors und der Entwicklung alternativer Antriebe ein wichtiger Baustein.

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Sie leisten aber nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch zur Versorgungssicherheit, weil sie helfen, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. In Deutschland werden für die Produktion von Biokraftstoffen keine für den Menschen geeigneten Nahrungsmittel eingesetzt.

Weltweit gesehen werden nur etwa sechs Prozent der Getreideernte für die Produktion von Biokraftstoffen benötigt. Damit wird deutlich, dass Preissteigerungen und Verknappung bei Lebensmitteln nicht durch Biokraftstoffe verursacht werden. Die Biokraftstoffe der zweiten und dritten Generation werden aus Abfällen oder Algen hergestellt und lösen die Diskussion Tank versus Teller auf.

 

Matthias Wissmann ist Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) und Bundesverkehrsminister a.D.

Seine Antwort und die weiterer Top-Experten erscheint im neuen März-Heft am kommenden Montag (EVT: 9.3.2015).

Matthias Wissmann
Keywords:
Frage des Monats | VDA | Biokraftstoff | Teller-Tank-Debatte
Ressorts:
Markets | Community

Kommentare

Aus Sicht der UFOP begrüßen wir dieses klare Bekenntnis von Präsident Wissmman. Über eine technolgogieoffene Forschungsförderung kann ein "Generationswechsel" bei Biokraftstoffen eingeleitet werden. Die Politik muss sich im Hinblick auf die förderpolitischen Leitblanken allerdings auf dieses "Innovationstempo" einstellen, anstelle datierter Vorgaben, wie dies aktuell in der Debatte um die zukünftie Ausrichtung der europäischen Biokraftstoffpolitik erfolgt.

Aber: ist genügend Anbaufläche bzw. Rohstoffpotenzial vorhanden?
Folgende Fakten sollten im Sinne einer sachgerechten Diskussion oder auch Weiterentwicklung berücksichtigt werden:
- Erntemengen 2014: Getreide (inkl. Reis): 2,46 Milliarden Tonnen, Lagerbestände: 431 Mio.; Ölsaaten (Raps, Soja, Sonnenblumen): 0,521 Milliarden, aber nur etwa 5 bis 8 Prozent werden für die Biokraftstoffproduktion verwendet;
- Eine Vielzahl von Studien belegen, dass in Europa, Afrika und Südamerika noch große ungenutzte Anbauflächenpotenziale (Osteuropa: über 12 Mio. ha) bestehen.
- Aber ca. 1 Milliarde Tonnen Lebensmittel bzw. Nahrungsmittelrohstoffe „erreichen den Teller“ nicht. Ursachen: schlechte / ineffiziente Erntemethoden, regional hohe Lagerungsverluste durch Schimmel und Schädlingsbefall, hohe Transportverluste. Allein in Deutschland werden jährlich ca. 11 Mio. Tonnen Lebensmittel auf dem Müll „entsorgt“ – das entspricht ca. 4 bis 5 Mio. Hektar
- Regionale Lebensmittelpreise in Entwicklungsländern werden nicht zwingend durch den Weltmarkt bestimmt – Ursache: oftmals bestimmt das lokale Nahrungsmittelangebot Menge und Preis. So werden in vielen Entwicklungsländern Nahrungsmittel angebaut (Maniok, Cassava usw.), die nicht auf den internationalen Märkten gehandelt werden.
- In vielen Entwicklungsländern sind Fragen des Landeigentums und der Zugang bzw. die Verfügbarkeit von Wasser nicht geklärt,
- In vielen wenig entwickelten Ländern sind Regierungen an der Macht, die die Bedürfnisse, insbesondere der ländlichen Regionen (Afrika, Süd- und Mittelamerika) vernachlässigen. Dadurch ist in vielen Armutsregionen gerade die ländliche Bevölkerung von Armut und Hunger bedroht.
- Die Frage der Versorgungssicherheit ist eine wichtige politische Frage und sollte sich daher auch in einem verantwortungsvollen Engagement der Industrieländer in der Entwicklungshilfe widerspiegeln. Allerdings ist auch die Politik machtlos, wenn Hungersnöte das Ergebnis militärischer Konflikte (s. Afrika, Orient) sind.

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