Braucht Europa Gigafactories?
12.07.2018

Wolfgang Langhoff: „Ungelöste Defizite der Elektromobilität“

Fotos: BP Europa SE
BP-Europa-Chef Wolfgang Langhoff warnt im bizz-energy-Debattenbeitrag vor einer Mobilitätsstrategie, die sich auf Batteriefahrzeuge reduziert. Langhoff ist auch Chef des Mineralölwirtschaftsverbands.

Die erste Batteriezellenfabrik in Deutschland baut CATL aus China. Europas Autobranche wird die Abhängigkeit von Asien unheimlich. BP-Europa-Chef Wolfgang Langhoff fordert in seinem Debattenbeitrag für bizz energy, auch auf synthetische Kraftstoffe zu setzen:

Diskussionen um die Mobilität von heute und morgen bestimmen die Agenda auf EU-Ebene und in Deutschland. Ob alternative Antriebe, neue Mobilitätskonzepte oder autonom fahrende Autos – eine Fülle von Ansätzen wird derzeit entwickelt und erprobt. Politische Taktgeber sind dabei sowohl die Klimaziele als auch industriepolitische Zielsetzungen. Die technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Machbarkeit scheint dagegen zweitrangig. (Lesen Sie auch: „Deutschland kann die treibende Kraft sein“ – Debattenbeitrag von EU-Kommissar Maroš Šefčovič)

Anzeige

Anzeige

So fokussiert man sich recht vorschnell  auf die Elektromobilität als Lösung aller Herausforderungen. Schon wird der Aufbau einer europäischen Batteriezellenfertigung mit mehreren Gigafactories diskutiert. Sicherlich ein richtiger Schritt, damit Europa bei der Elektromobilität wettbewerbsfähig und unabhängig bleibt. Doch ist die damit einhergehende frühzeitige Festlegung auf das Elektroauto der richtige Weg? Und ist es der einzige?

Gute Gründe für europäische Produktion

Es ist unbestritten, dass die Elektromobilität klare Vorteile aufweist, zum Beispiel die unmittelbare Nutzung von Strom ohne Energie-Umwandlungsverluste wie bei der Herstellung konventioneller oder synthetischer Kraftstoffe oder wie bei der Nutzung von Wasserstoff. Zudem kann die Elektromobilität einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in Städten und Ballungsräumen leisten und vor allem für Lieferfahrzeuge oder den Öffentlichen Nahverkehr sinnvoll sein. Auf den ersten Blick gibt es also gute Gründe, auf Elektromobilität zu setzen und europäische Produktionsstrukturen aufzubauen.

Doch häufig kommt es auf den zweiten Blick an, und dieser offenbart noch ungelöste Defizite, etwa hinsichtlich des Klimaschutzes und der extrem stromintensiven Batterie-Herstellung. Wenn zusätzlich der für Elektroautos genutzte Strom nicht weitgehend CO2-frei ist, gibt es bei der Klimabilanz keine Vorteile gegenüber hocheffizienten Diesel-Fahrzeugen. Während das Thema Luftreinhaltung in Städten also kurzfristig durch mehr Elektroautos gelöst werden könnte, wäre dem globalen Klimaschutz nicht zwangsläufig geholfen. Ferner ist die Entsorgung von  Lithium-Ionen-Batterien, auf die man die Zukunft des Elektroautos baut, bislang ungelöst.

Nicht alles auf eine Karte setzen

Deshalb sollte die Politik bei der Zukunft der Mobilität nicht alles auf eine Karte setzen, sondern lieber auf Technologieoffenheit. Es gilt, die Chancen der vielfältigen Ansätze zu nutzen. Langsam scheint die Politik auch für weitere alternative Antriebe ein offeneres Ohr zu haben. Synthetische Kraftstoffe und die Nutzung grünen Wasserstoffs rücken als neue Optionen in den Fokus.

Jetzt liegt es an allen Beteiligten, zu beweisen, dass Technologieoffenheit keine Phrase ist, hinter der der Unwille zur Veränderung und das Festhalten an Geschäftsmodellen verborgen werden. Es ist vielmehr die notwendige Formel, um Versuch und Irrtum zu ermöglichen. Innovation ist nur so möglich.

Forschungsförderung für alle Technologien

Dieser Grundgedanke sollte beherzigt werden. Vor allem sollten Klimaziele ruhig ehrgeizig, aber machbar formuliert werden. Und sie sollten einhergehen mit einer Forschungsförderung zu Gunsten aller alternativen Technologien für die Zukunft der Mobilität. Elektromobilität, Effizienzsteigerung herkömmlicher Verbrennungsmotoren, synthetische Kraftstoffe, grüner Wasserstoff und die Brennstoffzelle müssen gleichrangig weiterentwickelt werden. Dann wird sich zeigen, welche Technologie tatsächlich die Mobilität der kommenden Jahrzehnte prägen wird.

Wolfgang Langhoff ist Vorstandschef des deutschen Mineralölwirtschaftsverbands und Vorstandsvorsitzender von BP Europa. Der 58-jährige Ingenieur stammt aus Oberhausen und arbeitet seit 1989 für den Ölkonzern.  Er macht sich für das „Power-to-Liquid“-Verfahren stark. Damit sollen Kraftstoffe synthetisch mithilfe grünen Stroms hergestellt werden.

„Deutschland kann die treibende Kraft sein“ – Beitrag von EU-Kommissar Maroš Šefčovič zur Gigafactory-Debatte

Wolfgang Langhoff
Keywords:
Elektromobilität | Gigafactory | Batteriezellen | Synthetische Kraftstoffe
Ressorts:
Governance | Technology

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy – Herbst 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab dem 03.09.2018 bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen