Ladeinfrastruktur
14.02.2018

Elektromobilität: "Es ist nicht damit getan, eine Ladesäule aufzustellen"

Foto: obs/RWE Effizienz GmbH
Zukunftsmodell? Aldi Süd bietet seit 2015 an rund 50 Filialen Stromtankstellen von Innogy (ehemals RWE) an. Auf den Dächern der Märkte sind Solarpanels installiert.

Über die Stadt versprengte Ladesäulen sind ein Auslaufmodell: Geladen wird in Zukunft vor allem am Arbeitsplatz, zu Hause oder an Einkaufszentren.

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In den USA dürfen E-Autofahrer ihre Batterien auf den Parkplätzen von Shopping Malls häufig gratis laden – aus gutem Grund. "Wenn ein Kunde 20 Minuten länger im Geschäft bleibt, bringt das im Schnitt mehr ein, als die zwei oder drei Euro pro Stunde Stromtanken", sagt Christopher Burghardt, Europa-Chef des kalifornischen Lade-Anbieters ChargePoint. Wie lange Kunden den Ladepunkt besetzen, ist steuerbar: Damit sie die Säule rasch wieder freigeben, greift ab der zweiten Stunde etwa ein hoher Tarif pro Kilowattstunde. "Die Erfahrung aus den USA zeigt, dass das klappt", sagt Burghardt im Gespräch mit dem Magazin bizz energy.

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Was ChargePoint mit anderen Ladelösungen-Anbietern wie Eon gemeinsam hat: Sie erwarten den Durchbruch der E-Mobilität zuerst bei Flottenbetreibern wie Stadtwerken sowie bei Arbeitgebern, die sowohl Beschäftigte als auch Kunden mit Strom versorgen wollen. Insbesondere Handelsketten und Hotels, aber auch öffentliche Parkhäuser könnten wichtige Anlaufpunkte zum Laden werden. Die einzeln über die Stadt verteilten Ladesäulen haben aus ihrer Sicht hingegen keine Zukunft. Denn E-Autobesitzer laden ihre Fahrzeuge momentan zu 80 Prozent zuhause oder am Arbeitsplatz. Für Betreiber lohnt sich eine Ladesäule aber nur, wenn sie ausgelastet ist. Burghardt kritisiert in diesem Punkt die Städte: einerseits verstreuten sie Ladepunkte entlang den Straßen, andererseits versuchten sie mit ihren Mobilitätskonzepten, die Zahl parkender Autos zu reduzieren.

Christoph Burghardt, Europa-Chef von ChargePoint
"Ausziehbares Kabel, das nie den Boden berührt": ChargePoint-Europachef Christopher Burghardt vor einer Schnellladesäule auf der Fachmesse E-World in Essen.

Schnellladepunkte würden sich vor allem entlang von Autobahnen oder am Eingang von Städten eignen. Diese gemeinschaftliche Infrastruktur würde dann vor allem durch Taxis und Vielfahrer finanziert, die Pausen oder ein Mittagessen zum Laden ihres Fahrzeugs nutzen. Am einfachsten zu erreichen ist eine hohe Auslastung von Ladepunkten freilich bei Flottenbetreibern wie Stadtwerken, die Busse oder Müllfahrzeuge im Fuhrpark haben. "In ihre Depots lässt sich sehr leicht eine Ladeinfrastruktur integrieren", sagt Burghardt.

Die Branche steht jedoch vor einer großen Herausforderung: Einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman zufolge drohen flächendeckende Stromausfälle in Deutschland, sobald eine E-Auto-Quote von 30 Prozent erreicht ist. Ihre Lösungsvorschläge: Investitionen von elf Milliarden Euro in den Netzausbau sowie eine intelligente Netzsteuerung mit flexiblem Laden der E-Autos. Der Energieversorger Eon reagiert auf die Herausforderung mit der "Drive Plaza", eine Stromtankstelle, an der - je nach Auslegung - mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden können. Integrierbar sind ein Batteriespeicher zum Netzausgleich sowie ein Solardach. Eine erste Demonstration einer solchen Anlage konnten die Besucher der E-World in Essen gegenüber dem Messegelände begutachten.

Auf dem Land stellt sich die Blackout-Frage nicht

"Wir haben erkannt, dass es nicht damit getan ist, eine Ladesäule aufzustellen", sagt Frank Meyer, bei Eon Leiter der Bereiche Innovation und B2C Solutions. "Unsere Geschäftskunden brauchen Abrechnungssysteme, die wir mit unserer Plattform mitliefern, und Energiemanagementlösungen." Das Unternehmen beobachtet eine hohe Nachfrage von Unternehmen aus dem Einzelhandel oder der Hotelbranche – also Firmen, die Mitarbeiter und Kunden mit E-Autos haben. Zudem fache das Ladesäulen-Förderprogramm der Bundesregierung das Interesse an. "Viele Geschäftskunden wollen eine Elektromobilitätsinfrastruktur aufbauen, wissen aber nicht genau, wie", sagt Meyer.

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Keywords:
Elektromobilität | Ladeinfrastruktur | Eon | Chargepoint | Ladesäulen | Verkehrswende
Ressorts:
Technology | Markets

Kommentare

viele billige Steckdosen...das aller einfachste

wenn man günstigere leichtere und vor allem 500km-Batterien hätte, könnte man meistens zu hause aufladen und die anzahl ladesäulen könnte geringer sein.

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