Weltstromnetz
30.03.2016

"Zukunftsmusik mit einer realistischen Note"

foto: The Free World Charter
Wie sieht ein Weltstromnetz aus? Diese Frage beleuchtet ein White Paper der Berliner Unternehmensberatung Energy Brainpool.

In Peking wird ein White Paper mit neuen Regeln für den Weltstrommarkt diskutiert. Es stammt aus Berlin.

 

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Wie sieht ein Weltstromnetz aus? Das skizziert ein White Paper, das gerade auf der Messe Global Energy Interconnection in Peking vorgestellt wurde. Es stammt von der Berliner Unternehmensberatung Energy Brainpool und entstand in Kooperation mit dem Chinesischen Verein für Erneuerbare Energien in Deutschland und dem Generatorenhersteller Tellhow Sci-tech. Pekings Vision vom Weltstromnetz hatte jüngst Zenya Liu, Chef des chinesischen Energieriesen China State Grid, im Interview mit bizz energy beschrieben.

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Noch allerdings mangelt es nicht nur an Ultrahochspannungsleitungen zwischen Europa und anderen Kontinenten. In China fehlen vielfach noch das Wissen und die Marktregeln für den Handel von Elektrizität. „Der Staat gibt die Fahrpläne für Kraftwerke vor. Das bedeutet, dass die Marktsignale der Verbrauchsseite keinen direkten Einfluss auf die Erzeugerseite haben, da diese zentral koordiniert und reguliert wird“, erläutert Simon Göß, Consultant bei Energy Brainpool.

Im neuen White Paper beschreiben die Autoren um Tobias Federico und Tobias Kurth die Vorteile eines liberalisierten Stromhandels. Sie zitieren Berechnungen zu den finanziellen Vorteilen des in den 1990er-Jahren liberalisierten europäischen Strommarktes. Pro 100 Megawatt (MW) grenzüberschreitende Übertragungsleistung könnten demnach 125 Millionen Euro zusätzlicher wirtschaftlicher Nutzen erzielt werden. Allein durch das Ausgleichen von Angebot und Nachfrage, wenn beispielsweise in einem Land viel Wind weht, aber der Verbrauch gering ist und in einem anderen Land die entgegengesetzte Situation herrscht. „Sehr langfristig“ könne ein Weltenergienetz deshalb die Integration erneuerbarer Energien verbessern, sagt Göß.

 

Globales Orderbuch für den interkontinentalen Markt

Weitere Einspareffekte durch den Stromhandel belegt Energy Brainpool beispielsweise anhand der Kopplung der Märkte für Regelleistung zwischen Deutschland und der Schweiz. Das White Paper schlägt vor, die Kopplung der europäischen Regelenergiemärkte auf das Design des Weltstromnetzes zu übertragen – genauso wie das System der Bilanzkreise, bei dem Netzbetreiber und andere große Marktteilnehmer für die Netzstabilität verantwortlich sind, indem sie Erzeugung und Verbrauch jederzeitig ausgleichen. Für den weltweiten Stromhandel verweist das Papier auf ein Modell, das jedem Börsenhändler vertraut ist. Ein Orderbuch im globalen Maßstab, in dem alle Gebote gesammelt werden und auf dessen Basis der Marktpreis ermittelt wird.

Die Epex Spot in Paris, die in den vergangenen Jahren viel Erfahrung mit der europäischen Strommarktintegration gesammelt hat, kommentierte den Vorschlag gegenüber bizz energy mit den Worten: „Das Modell ist Zukunftsmusik - mit einer durchaus realistischen Note.“

 
Manuel Berkel
Keywords:
Weltstromnetz | China | Europa | Strom | Energy Brainpool | Kopplung | Regelleistung | White Paper
Ressorts:
Technology | Community

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