Verkehrswende
16.01.2018

Zulassungszahlen: Kleiner Schub für Erdgasfahrzeuge

Foto: iStock
Das Netz an Erdgas-Tankstellen in Deutschland ist noch lückenhaft.

Elektroautos und Wasserstoff-Fahrzeugen gehört vielen Marktbeobachtern zufolge die Zukunft. Aber auch Erdgas-Motoren sind noch nicht ganz vom Radar der Autokäufer verschwunden.

Das Interesse an Erdgasfahrzeugen steigt wieder, berichtet die Initiative „Rheinland Pfalz gibt Gas e.V.“ unter Berufung auf Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes (KBA). „Die Neuzulassungen sind seit dem Sommer 2017 deutschlandweit im Vergleich zum Vorjahr wieder gestiegen, so dass insgesamt 2017 fast 15 Prozent mehr CNG-Pkw zugelassen wurden als 2016″, erklärt der Vorsitzende Markus Spitz.

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Anders als der Elektroantrieb stecken Erdgas-Motoren (CNG, Compressed Natural Gas) oder auch Motoren für Flüssiggas (LPG, Liquid Petroleum Gas) nicht mehr am Anfang. Gas verbrennt umweltfreundlicher als Benzin oder Diesel und kostet an der Tankstelle weniger. CNG verursacht bis zu 25 Prozent weniger CO2 als Benzin und kaum Stickoxide und Feinstaub.

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"Potenzial ist immer noch groß"

In Zeiten des Diesel-Skandals und drohender Innenstadt-Fahrverbote rücken die alternativen Kraftstoffe nun wieder etwas in den Fokus. Im November und Dezember 2017 lag das Plus gegenüber dem Vorjahresmonat sogar im dreistelligen Prozentbereich. „Das Potenzial ist aber immer noch groß und sollte jetzt von der Politik nicht verspielt werden“, sagt Spitz. Die Klimaschutzziele 2020 vorübergehend aufzugeben, wie es die Sondierungsgespräche einer neuen großen Koalition gerade andeuten, sei nicht der richtige Weg.

Die Zeit für alternative Antriebe sei definitiv gekommen, sind die Teilnehmer der Initiative „RLP gibt Gas“ überzeugt. Die 19 Mitgliedsunternehmen aus der Energieversorgerbranche betreiben CNG-Tankstellen und investieren in die Elektro-Ladeinfrastruktur in Rheinland-Pfalz. Elektro- und Gasantriebe würden sich perfekt ergänzen und könnten mit einer höheren Verbreitung zu einer besseren Luftqualität in deutschen Städten beitragen. Während Stromer ideal für die Stadt und die Kurzstrecke seien, könnten Erdgasautos mit ihrer höheren Reichweite in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz auch auf längeren Strecken hervorragend eingesetzt werden.

Gasbetriebene Antriebe zeigen bei den Zulassungszahlen eine positive Entwicklung – allerdings ausgehend von einem geringen Niveau. 3.723 erdgasbetriebene Fahrzeuge zählt das KBA in Flensburg bei den Neuzulassungen 2017. Dies ist ein Zuwachs von 14,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 4.400 mit Flüssiggas angetriebene Pkw kommen hinzu (+47,2 Prozent). Zusammen macht dies allerdings nur ein Anteil von 0,2 Prozent an den Neuzulassungen aus. Insgesamt fahren von den 45 Millionen Autos in Deutschland nur gut eine halbe Million mit Gas.

Steuerbegünstigung wurde verlängert

Lobbyist Spitz freut sich dennoch über das steigende Interesse und fordert mehr politische Unterstützung: Während Elektroautos von hohen Zuschüssen durch den Bund profitieren, werde die CNG-Technik von der Politik noch stiefmütterlich behandelt. „Dass die Steuerbegünstigung bis 2026 verlängert wurde, ist ein wichtiger Fingerzeig“, so Spitz, dennoch fehlten weitere Förderungen wie sie auch die Elektroautos erhalten. Manche Autohersteller, die einen speziellen Umweltbonus für den Tausch eines alten Diesels gegen ein Erdgasauto angeboten haben, machten es vor.

Zwar gehört Erdgas wie Benzin und Diesel auch zu den fossilen Brennstoffen, doch Erdgas, lässt sich auch synthetisch herstellen – regenerativ aus Biomasse. Warum sich gasbetriebene Fahrzeuge noch nicht stärker durchgesetzt haben, fragen sich viele Beobachter. Fahrzeugmodelle sind durchaus im Angebot der Hersteller zu finden, vor allem bei Volkswagen. Allerdings ist die Tankstellen-Versorgung lückenhaft: Bisher gibt es nur rund 900 Erdgas-Tankstellen in Deutschland.

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Carsten Kloth
Keywords:
Verkehrswende | Erdgas
Ressorts:
Technology

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