Verbraucherstudie
12.08.2013

Zustimmung zur Energiewende wackelt

depositphotos, Mario Kelichhaus

Angesichts steigender Energiepreise sinkt in der Bevölkerung die Zustimmung zur Energiewende. Auch die Industrie wirft der Bundesregierung Versagen vor.

82 Prozent der Befragten sagten in einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) weiterhin Ja zum Atomausstieg und zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Jedoch sinkt die Zustimmung gegenüber der konkreten Energiewende-Politik. Mit 48 Prozent haben die Kritiker bereits die Unterstützer überholt. „Damit die Stimmung nicht kippt, sind jetzt Korrekturen nötig“, fordert Gerd Billen, Vorstand des VZBV. Für ihn heißt das: die Energiekosten dürfen nicht weiter steigen. 52 Prozent der Befragten nennen steigende Strompreise als Nachteil der Energiewende. 

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VZBV-Energieexperte Holger Krawinkel fordert, beim Ausbau der erneuerbaren Energien auf etablierte Technik zu setzen. „Solar- und Windenergie an Land haben einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber Offshore-Windanlagen vor der Küste.“ In der Umfrage selbst befürwortete nur noch rund ein Drittel den Ausbau der Offshore-Windenergie. Etwa die Hälfte der Befragten wollen zudem die Förderung von Erneuerbare-Energien-Anlagen auf eine bestimmte Anzahl von Anlagen oder Mengen begrenzen. 

Streitpunkt Umlage-Befreiung

Die Verbraucher sehen vor allem in Wirtschaft und Industrie (87 Prozent), bei den Energieversorgern (86 Prozent) und in der Politik (86 Prozent) die einflussreichsten Akteure bei der Gestaltung der Energiewende. Die eigenen Einflussmöglichkeiten halten sie dagegen für relativ gering. „Die Verbraucher bezahlen für die Energiewende, dürfen aber nicht mitentscheiden“, sagte Billen. Die Befreiung bestimmter Unternehmen oder Industriezweige von der Umlage nach Erneuerbare-Energien-Gesetz und von Netzentgelten sehen die Befragten vor diesem Hintergrund kritisch. 62 Prozent lehnen die Ausnahmeregelung ab. 

Die Unternehmen selbst sehen das natürlich anders: Wegen hoher Energiekosten fürchten sie um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Unternehmen verfolgen die Energiepolitik der Bundesregierung deswegen äußerst kritisch, wie eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) zeigt. Darin benoten die befragten Entscheider die Leistungen der Bundesregierung auf dem Sektor Energie durchschnittlich mit einer Vier minus. Sicheren, sauberen und bezahlbaren Strom sehen die Unternehmer „durch das dürftige Management der Energiewende gefährdet“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. 

Für diese Studie befragte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln 734 Entscheider aus Industrie und Wirtschaft. Mehr als die Hälfte erteilt der Politik die Noten „mangelhaft“ oder „ungenügend“, nur 3,4 Prozent halten das Management der Politik bei der Energiewende für „sehr gut“ oder „gut“.

 

 

Daniel Seeger
Keywords:
Holger Krawinkel | Energiewende | Atomausstieg | Energiepolitik | Strompreis
Ressorts:
Governance

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