Die Zukunft der Kohleenergie in Europa: Stilllegung oder Modernisierung?

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Die Zukunft der Kohleenergie in Europa steht heute an einem Scheideweg – es gibt zwei mögliche Wege: entweder die groß angelegte Stilllegung von Kohlekraftwerken oder deren Modernisierung unter Berücksichtigung von Klima, Technologie und Energiesicherheit. Allerdings überwiegen derzeit die Signale, die für einen Ausstieg aus der Kohle sprechen, und nicht für deren Erneuerung.

Einerseits geht die Kohleverstromung in einer Reihe europäischer Länder deutlich zurück: Nach Angaben von Fitch Solutions/BMI ist die Nutzung von Kohle in der europäischen Energiewirtschaft seit 2013 stetig rückläufig, und bis zum Ende des Prognosezeitraums wird ein durchschnittlicher jährlicher Rückgang von etwa 4 % erwartet.

Eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zeigt, dass bei einer Verschärfung der Emissionsbeschränkungen im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems die Kohleverstromung bereits bis 2030 praktisch verschwinden könnte: Bei einem Kohlenstoffpreis von über ~100 € pro Tonne CO₂ würde Kohle extrem unrentabel werden.

Darüber hinaus kommt eine Studie von Agora Energiewende zu dem Schluss, dass das Erreichen des EU-Klimaziels einer Emissionsreduktion um 55 % bis 2030 den Ausstieg aus der Kohle zur Stromerzeugung bis zum selben Jahr erfordert.

Auf der anderen Seite steht die Modernisierung: Damit sind die Installation von Systemen zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS), die Umstellung auf „saubere“ Kohle, die Hybridisierung mit erneuerbaren Energiequellen oder die Umrüstung von Kohlekraftwerken auf andere Technologien gemeint. In wissenschaftlichen Arbeiten wird analysiert, wie bestehende Kohleanlagen umgewandelt werden können: Ein Artikel befasst sich beispielsweise mit der Umwandlung von Kohlekraftwerken in Energiequellen auf Eisenbasis (Iron Combustion) oder zur Wasserstofferzeugung, was einen Weg zur Modernisierung bestehender Kapazitäten darstellt.

Es werden auch Fälle erwähnt, in denen ehemalige Kohlebergwerke für erneuerbare Energiequellen und Speicher umgerüstet werden.

Dennoch sind die Hindernisse für die Modernisierung erheblich. Kohlekraftwerke sind oft bereits veraltet, erfordern hohe Investitionen für die Anpassung an neue Anforderungen, und der wirtschaftliche Wettbewerb mit Wind- und Solarenergie wird immer härter: Ein Bericht der Wärtsilä Corporation weist darauf hin, dass die niedrigen Kosten der erneuerbaren Energieerzeugung und die Flexibilität moderner Systeme den Wert von Kohle als Grundlastenergie reduzieren.

Darüber hinaus ist das politische und regulatorische Umfeld in Europa zunehmend auf den endgültigen Ausstieg aus der Kohle ausgerichtet: Das Dokument zur Energiesicherheit und zum Klima für Deutschland unterstreicht die Unveränderlichkeit des Ausstiegsplans bis 2030.

Wenn man die Aussichten bewertet, werden die meisten europäischen Länder bis 2030 tatsächlich den Weg der Schließung von Kohlekraftwerken einschlagen. Viele Länder haben bereits konkrete Ausstiegstermine bekannt gegeben: So versprechen beispielsweise mehrere europäische Länder, die Nutzung von Kohle bis 2025–2030 einzustellen.

Zu den führenden Ländern beim Ausstieg gehören diejenigen, in denen der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung bereits gering ist. Andere, in denen Kohle noch immer eine bedeutende Rolle spielt (z. B. Polen), verschieben die Fristen vorerst und stehen vor sozioökonomischen Herausforderungen (Arbeitsplätze, Industrie, regionale Abhängigkeit).

Daher bleibt die Modernisierung des europäischen Kohlekraftwerksparks zwar möglich, jedoch eher für eine begrenzte Anzahl von Anlagen und nur als Zwischenschritt – nicht als systemische Lösung. Der Haupttrend ist die schrittweise und beschleunigte Stilllegung von Kohlekraftwerken zugunsten eines wachsenden Anteils erneuerbarer Energien und einer erhöhten Flexibilität der Energiesysteme. Für die europäische Energiewirtschaft wird nicht so sehr die Frage „Modernisieren oder Stilllegen” von Bedeutung sein, sondern vielmehr die Frage „Wann und wie aussteigen?”.

Daraus lässt sich schließen, dass die Zukunft der Kohleenergie in Europa eher in der Stilllegung als in der Modernisierung liegt. Modernisierungen werden punktuell und selektiv durchgeführt, können aber den allgemeinen Trend nicht ändern: Kohle verliert im Zuge der Energiewende ihre Bedeutung als Grundlastenergiequelle.